Author: Fede

  • Zamba por vos

    Zamba por vos

    Zamba por vos wurde vom uruguayischen Musiker Alfredo Zitarrosa geschrieben. Das Lied erschien erstmals 1966 auf dem Album Canta Zitarrosa und ist eine klassische Zamba mit der typischen Struktur AABAAB in 36 Takten. Jede dieser Phrasen bildet eine sogenannte „Periode“, die aus einem Vordersatz und zwei Nachsätzen besteht:

    Vordersatz: Yo no canto por vos, te canta la zamba
    Nachsatz 1: Y dice al cantar: no te puedo olvidar, no te puedo olvidar
    Nachsatz 2: Y dice al cantar: no te puedo olvidar, no te puedo olvidar

    Der argentinische Musiklehrer Arnoldo Pintos nahm diese Zamba 1987 in den ersten Band seines Gitarrenlehrbuches Método de guitarra (1987) auf (siehe Bild).

    Viele bekannte Künstlerinnen und Künstler haben Zamba por vos neu interpretiert, darunter Mercedes SosaJorge DrexlerLos ChalchalerosJorge Cafrune und Soledad. In der Version von Raly Barrionuevo hören wir außerdem die talentierte Elvira Ceballos am Klavier.

    Ein Lied voller Sehnsucht und Trost

    Zamba por vos drückt die Sehnsucht nach einer geliebten Person aus und reflektiert die melancholische Traurigkeit, die mit der Distanz einhergeht. 

    Yo no canto por vos;
    te canta la zamba.
    Y dice al cantar:
    no te puedo olvidar;
    no te puedo olvidar.

    Yo no canto por vos;
    te canta la zamba.
    Y cantando así
    canta para mí,
    canta para mí.

    Zambita cantá:
    no la esperes más.
    Tenés que pensar que si no volvió,
    es porque ya te olvidó.
    Perfumá esa flor,
    que se marchitó,
    que se marchitó.

    Yo tuve un amor,
    lo dejé esperando.
    Y, cuando volví,
    no lo conocí,
    no lo conocí.

    Dijo que tal vez,
    me estuviera amando.
    Me miró y se fue:
    sin decir por qué;
    sin decir por qué.

    Zambita cantá:
    no la esperes más.
    Tenés que pensar que si no volvió,
    es porque ya te olvidó.
    Perfumá esa flor,
    que se marchitó,
    que se marchitó.

    Ich singe nicht für dich
    Es singt die Zamba
    Und indem sie so singt sagt sie
    Ich kann dich nicht vergessen
    Ich kann dich nicht vergessen

    Ich singe nicht für dich
    Es singt die Zamba
    Und indem sie so singt
    Singt sie für mich
    Singt sie für mich

    Zambita, sing
    Wartet nicht mehr auf sie
    Du musst denken,
    dass, wenn sie nicht zurückkam
    ist es, weil sie dich schon vergessen hat
    Parfümiere die Blume,
    die verwelkt ist
    die verwelkt ist

    Ich hatte eine Liebe
    Ich ließ sie warten
    Und als ich zurückkam
    erkannte ich sie nicht wieder
    erkannte ich sie nicht wieder

    Sie sagte, vielleicht
    hat sie mich geliebt
    Sie sah mich an und ging
    Ohne zu sagen, warum
    Ohne zu sagen, warum

    Zambita, sing
    Wartet nicht mehr auf sie
    Du musst denken,
    dass, wenn sie nicht zurückkam
    ist es, weil sie dich schon vergessen hat
    Parfümiere die Blume,
    die verwelkt ist
    die verwelkt ist

  • Die Tradition der Copla

    Die Tradition der Copla

    Ein Begriff, das im Tanztraining immer wieder fällt, ist copla. Damit ist eine lebendige, poetische Form gemeint, die tief in der spanischen und lateinamerikanischen Volkskultur verwurzelt ist – und damit auch in der argentinischen Folklore. Dort wird sie nicht nur gesungen, sondern auch improvisiert, auf Festen ausgetauscht und als poetischer Ausdruck kollektiver Erfahrung weitergetragen. Doch was genau ist eine Copla – und wie lässt sich ihre Bedeutung deutschsprachigen Folklore-Interessierten nahebringen?

    Copla: Von Spanien bis zu den Anden

    Ursprünglich stammt die Copla aus der spanischen Literatur und Liedtradition: eine vierzeilige Strophe, meist mit acht Silben pro Zeile (Silbenmaß: arte menor), einfacher Reimstruktur (z. B. abab oder aabb), und Themen wie Liebe, Alltag, Schmerz oder Gesellschaftskritik.

    Doch in Lateinamerika – besonders im Nordwesten Argentiniens – hat die Copla ein zweites Zuhause gefunden. Dort wurde sie von indigenen Kulturen aufgenommen, in lokale Kontexte übertragen, in indigenen Sprachen oder in Mischformen gesungen – begleitet von Instrumenten wie der caja chayera, einer kleinen Trommel, die den rhythmischen Puls vorgibt, aber auch für andere Stile genutzt, wie Chacareras, Gatos, Escondidos und mehr.

    Coplas sind dort Teil mündlicher Traditionen, werden auf Festen wie dem Karneval oder bei ländlichen Treffen improvisiert vorgetragen und spiegeln individuelle und kollektive Erfahrungen wider.

    Esta cajita que toco
    tiene lengua y sabe hablar.
    Solo le faltan los ojos
    para ayudarme a llorar.

    (Diese Trommel, die ich spiele / hat eine Zunge und kann sprechen / Ihr fehlen nur die Augen / um mir zum Weinen zu helfen)

    Gibt es Vergleichbares im Deutschen?

    Direkt vergleichbar ist die Copla nicht – aber es gibt im Deutschen funktional ähnliche Formen:

    1. Das deutsche Volkslied:

    Vierzeilige, gereimte, gesungene Strophen mit einfachen Themen – oft melancholisch oder lebensnah, wie in diesem Fall aus dem Niederrhein 1574:

    Ich ging durch einen grasgrünen Wald,
    da hört ich die Vögelein singen,
    sie sangen so jung, sie sangen so alt,
    die kleinen Vögelein in dem Wald,
    die hört ich so gerne wohl singen.

    2. Gstanzln oder Schnaderhüpfel (Bayern/Österreich):

    Kurze, oft improvisierte Reimverse, gesungen bei Volksfesten – mit pointiertem, manchmal spöttischem Inhalt. Der Rhythmus, die Improvisation und die enge Verbindung zur Musik ähneln stark der Copla-Tradition.

    Warum gibts so vül Buama Auf der Welt weit und breit?
    Ja wei hoid des Unkraut Üwaroi guad gedeiht.

    3. Moritaten/Bänkellieder:

    Historisch gesungene Erzählungen mit Strophenform, oft mit dramatischem Inhalt – einst von Bänkelsängern auf Jahrmärkten vorgetragen, zum Beispiel die bekannten Lieder Leute tretet rings heran:

    Leute tretet rings heran
    Hört Euch die Geschichte an
    Hört, was neulich an der Spree
    in der Hauptstadt ist geschehn

    Poetische Geschwister mit kulturellen Unterschieden

    Die Copla in Argentinien ist mehr als eine Gedichtform – sie ist Teil gelebter Kultur, ein Ausdruck von Identität, Musik, Emotion und sozialem Dialog. Während es im deutschsprachigen Raum ähnliche Formen wie Gstanzln oder Volkslieder gibt, fehlt oft der rituelle oder gemeinschaftliche Stellenwert, den Coplas bei Festen, im Alltag und in der politischen Ausdruckskraft haben.

    Coplas leben nicht nur im Vers, sondern in der Stimme, im Rhythmus – und in der Gemeinschaft.

  • Triunfo – ein Tanz mit vielen Gesichtern

    Triunfo – ein Tanz mit vielen Gesichtern

    Wenn man über Triunfo spricht, hört man oft: „Das ist ein südlicher Tanz.“ Und klar – in der Literatur wird das häufig so beschrieben, vor allem im Zusammenhang mit der pampa. Doch wer genauer hinschaut (und zuhört), merkt schnell, dass diese Zuordnung nur einen Teil der Geschichte erzählt. Triunfo wurde in ganz Argentinien getanzt – nicht nur im Süden. In Santiago del Estero etwa war er bis weit ins 20. Jahrhundert hinein lebendig.

    Ein besonders schönes Beispiel dafür liefert Doña Francisca Antonia Peralta de Maldonado, aus Santiago del Estero, die wir in diesem Video sehen. Sie spricht über die Tänze ihrer Jugend – und dabei erwähnt sie ganz selbstverständlich den Triunfo, neben vielen anderen.

    Vom patriotischen Ursprung zur tänzerischen Vielfalt

    Der Name Triunfo verweist auf seine Entstehungszeit: nach dem Sieg bei der Schlacht von Ayacucho (1824), die das Ende der spanischen Herrschaft in Peru markierte – ein Moment, der auch für andere Länder Südamerikas symbolisch wurde. Die frühen Coplas sind noch geprägt vom Unabhängigkeitsgeist:

    “Este es el triunfo, niña, de los patriotas
    que caigan realistas como gaviotas.”

    (Das ist der Sieg, Mädel, der Patrioten. Die Monarchisten mögen fallen wie Möwen)

    Ursprünglich war das also ein Tanz des Sieges, mit deutlichem politisch-historischem Bezug. Doch wie so oft in der Folklore hat sich der Fokus im Lauf der Zeit erweitert: Heute findet man auch persönliche oder sogar romantische Texte – Triunfo wurde zu einem Raum für unterschiedliche Ausdrucksformen, nicht nur für Erinnerung an historische Ereignisse.

    Regional verschieden – lebendig geblieben

    Was den Triunfo auch interessant macht, ist die Vielfalt an regionalen Varianten. In Salta wurde er stellenweise zu dritt getanzt, in San Juan mit einem Pañuelo, in Buenos Aires auch mal zu viert. Manche Varianten waren stärker formalisiert, andere eher frei. Auch die Art der Aufführung konnte unterschiedlich sein: Während er in ländlichen Gegenden mit Energie und Spontaneität getanzt wurde, gibt es Berichte über vereinzelte Salon-Varianten – diese waren aber eher Ausnahme als Regel und wenn dann zurückhaltender.

    Ein weiteres musikalisches Detail, das Tänzer*innen sofort auffällt: Der Triunfo hat eine sehr besondere Phrasierung – in Sechser-Einheiten. Anders als bei vielen anderen Tänzen mit 4er- oder 8er-Strukturen bewegt sich der Triunfo rhythmisch in einer eigenen Logik, was ihm auch musikalisch seinen charakteristischen Fluss verleiht.

    🎵 Und zum Abschluss: Hier ist eine kleine Playlist mit verschiedenen Triunfos zum Reinhören, Mitsingen und Mittanzen!

  • A Loreto voy

    A Loreto voy

    Loreto ist eine der emblematischsten Städte in Santiago del Estero. Ihre Ursprünge reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, als eine Karawane mit der Statue der Jungfrau Maria unerwartet zum Stillstand kam. Dieses Ereignis wurde als Zeichen gedeutet, und an diesem Ort wurde eine Kapelle errichtet, um die Statue zu beherbergen – der erste Schritt zur Entstehung der späteren Siedlung. Später wurde Loreto zu einem wichtigen Knotenpunkt auf der Handelsroute zwischen Buenos Aires und Potosí und spielte eine Rolle in den britischen Invasionen von 1806.

    Ein einschneidendes Ereignis war die Überschwemmung des Mishki Mayu im Jahr 1908, die große Teile der Stadt zerstörte und viele Bewohner zur Umsiedlung zwang. Dies markierte den Beginn des heutigen Loreto, das an einem neuen Standort entstand. Die Stadt ist heute für ihr kulturelles Erbe und ihre Traditionen bekannt – darunter der „Rosquete“, ein beliebtes regionales Gebäck.

    Auch in der Musik lebt ihre Geschichte weiter: Der Dichter und Komponist Fortunato Juárez erzählt in seinem Lied El violín de Tatacu von der dramatischen Umsiedlung nach der Flut und hält so die Erinnerung an das alte Loreto lebendig.

    Si voy por las Tinajas
    sospechan que soy choyano
    y comiendo un rosquete
    me siento bien loretano
    no lo puedo negar
    por mi acento bien paisano

    Gatito de cualquier parte

    Wenn ich in Las Tinajas unterwegs bin
    denken sie, dass ich aus Choya komme
    Wenn ich einen Rosquete esse
    halte ich mich für Loretaner
    Ich kann es nicht leugnen
    aufgrund meines ländlichen Akzents

    Eine Chacarera, die Loreto besingt, ist A Loreto voy:

    Albitapi ensillaspa
    mi caballo estoy
    Camino nacional yaykus
    A Loreto voy

    Apuranakus, mi vida,
    al galope voy
    Siempre mirando al naciente
    y esperando el sol

    Lejos lejos alcanzaba
    burritos cargaos
    que iban montando unas chinas,
    derecho al poblao

    Ancha tempranulla viday
    En Loreto estoy
    Porque en Pintu Mayu saapi
    Ha salido el sol

    Na Loreto qayllitapi
    bajé a descansar
    Caballuyta descansachis
    volví a caminar.

    Vueltaytami yuyarani
    al salir de aquí
    por el sueño que llevaba,
    que fui sin dormir

    Cerquita del Río Dulce
    mi caballo rodó
    y entre las ponderaciones
    casi me quebró.

    Bei Morgengrauen
    sattle ich mein Pferd,
    reite auf die Nationalstraße
    und ziehe nach Loreto.

    Ich eile, mein Lieber,
    im Galopp reite ich,
    immer nach Osten blickend,
    auf die aufgehende Sonne wartend.

    Weit, weit in der Ferne kam ich
    an beladene Esel,
    die von jungen Frauen geritten wurden,
    geradewegs ins Dorf.

    Ganz früh am Morgen, meine Liebe,
    bin ich in Loreto,
    denn über dem Pintufluss
    ist die Sonne aufgegangen.

    Schon ganz in der Nähe von Loreto
    stieg ich ab, um mich auszuruhen.
    Ich ließ mein Pferd verschnaufen
    und zog weiter.

    Als ich aufgebrochen bin,
    fiel mir dann auf,
    weil ich eben so müde war:
    ich war losgezogen, ohne zu schlafen.

    Ganz in der Nähe des Dulceflusses
    stürzte mein Pferd.
    Zwischen all den Überlegungen
    fast hätte es mich gebrochen.

  • Kakuy

    Kakuy

    Im März und April 2026 war ich auf einer Feldreise in Santiago del Estero. Im Rahmen meiner Promotion im Bereich Linguistik habe ich dort Sprachaufnahmen mit Sprecherinnen und Sprechern der regionalen Quechua-Varietät, dem Quichua Santiagueño, gemacht. Um das Sprachphänomen zu untersuchen, dem ich meine Dissertation widme, habe ich die Legende des Kakuy verwendet, um die es in der Chacarera „Hermano, Kakuy“ von Jacinto Piedra und Peteco Carabajal geht. Am Ende des Interviews mit Humberto Peralta aus Juanillo (Atamishki, Santiago del Estero) begann er spontan, die Geschichte zu erzählen. Hier findet ihr ein Video mit Untertiteln auf Deutsch, Quichua und Spanisch.

    Falls ihr mitsingen möchtet, findet ihr am Ende des Beitrags das Lied mit Text und ebenfalls mit einer deutschsprachigen Übersetzung.

    Hermano, kakuy

    Cuenta la gente
    allá en el pago
    lo sucedido
    entre dos hermanos.

    Cuando él volvía
    de la jornada
    agua y comida
    jamás encontraba

    Cansado un día
    de soportarla,
    la llevó al monte
    para castigarla

    Con triste grito
    busca a su hermano
    Kakuy se llama
    y vive penando

    Sobre de un árbol
    Ella esperaba
    Mientras el mozo
    De allí se alejaba

    A sus reclamos
    Los llevó el viento
    Y en su garganta
    Quejumbre y lamento

    De esta leyenda
    No hay que olvidarse
    Que los hermanos
    No dejen de amarse

    Man erzählt,
    dort in der Heimat,
    was zwischen
    zwei Geschwistern geschah.

    Als er zurückkehrte
    von seiner Arbeit,
    fand er nie
    Wasser und Essen.

    Eines Tages, müde
    von ihrem Verhalten,
    nahm er sie mit in den Wald
    um sie zu bestrafen.

    Mit traurigem Ruf
    sucht sie ihren Bruder,
    Kakuy ist sein Name,
    und lebt in Kummer.

    Auf einem Baum
    wartete sie,
    während der Junge
    sich von dort entfernte.

    Ihre Rufe
    trugen der Wind,
    und in ihrer Kehle,
    Seufzen und Kummer.

    Diese Legende
    soll man nicht vergessen:
    dass Geschwister
    einander lieben sollen.

  • Jacinto Piedra und der politische Einfluss seiner Musik

    Jacinto Piedra und der politische Einfluss seiner Musik

    Jacinto Piedra war nicht nur ein Musiker, sondern ein wahres Symbol der Erneuerung der argentinischen Folkloremusik. Seine Karriere, die in den 1980er Jahren ihren Anfang nahm, ist eng mit der kreativen Weiterentwicklung des Genres verbunden. Mit seinem innovativen Stil, der traditionelle Folklore mit Rock und andinen Einflüssen vereinte, beeinflusste er nicht nur die argentinische Musikszene, sondern prägte auch die politische Landschaft seines Landes.

    Jacinto Piedra: Vom Rock zur Folklore

    Bevor Jacinto Piedra in der argentinischen Folkloremusik bekannt wurde, spielte er in verschiedenen Rockbands im Großraum Buenos Aires. In den frühen 1980er Jahren wandte er sich jedoch zunehmend von der Rockmusik ab und begann, sich den traditionellen Klängen der Folklore zu widmen. Sein Soloalbum El incendio del poniente (1983) war ein Meilenstein, der seine musikalische Ausrichtung maßgeblich prägte. In diesem Werk vereinte er Rock- und Folkloreelemente und legte so den Grundstein für seine spätere Zusammenarbeit mit MPA. Ein Lied aus diesem Album, Como arbolito en otoño, wird unseren Vereinsmitgliedern ganz bekannt vorkommen.

    El incendio del poniente war ein Werk, das Jacinto weitgehend alleine schuf. Er spielte alle Instrumente und sang die Vocals selbst – eine wahre Meisterleistung der musikalischen Unabhängigkeit. Das Album wurde für seine Kreativität und musikalische Finesse gefeiert und zog die Aufmerksamkeit von Chango Farías Gómez auf sich, der Jacinto für MPA gewinnen wollte. Es bleibt ein einzigartiger Ausdruck seiner Fähigkeit, Tradition mit Innovation zu verbinden, und ebnete den Weg für seine bedeutende Rolle in der argentinischen Musikszene.

    Die Zusammenarbeit mit MPA und die Gründung von Los Santiagueños

    Mit MPA begann Jacinto eine neue Ära der Folkloremusik. Unter der Leitung von Chango Farías Gómez arbeiteten er und andere Musiker wie Peteco Carabajal an revolutionären Alben, die die Folklore von ihren traditionellen Wurzeln befreiten und neue, moderne Elemente einführten. Die Gruppe war für ihre innovative Herangehensweise bekannt und spielte eine Schlüsselrolle in der Erneuerung des argentinischen Folkloregenres.

    Bild aus dem Live-Album “Nadie, más que nadie” (1986) von Músicos Populares Argentinos

    Der Bruch mit MPA kam jedoch in den Jahren 1985 oder 1986, als Jacinto und Peteco beschlossen, sich von der Gruppe zu trennen und Los Santiagueños zu gründen. Das erste Album der neuen Formation, Transmisión huaucke (1987), markierte einen Wendepunkt, da es den traditionellen Folklore-Sound mit elektrischen Gitarren und modernen Arrangements verband und so eine neue Ära in der Folkloremusik einläutete. Los Santiagueños wurden zu einem Symbol für den Wandel in der Folklore, von der klassischen folkloristischen Form hin zu einer dynamischen, innovativen Musikrichtung.

    Der politische Einfluss und die Chacarera del cardenal

    Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal von Jacintos Musik war ihr politischer Einfluss. Besonders deutlich wird dies in der Chacarera del cardenal (1991), die zu einer Hymne bei den Protesten gegen Wahlbetrug in Santiago del Estero wurde. Diese Chacarera symbolisierte die sozialen Kämpfe jener Zeit und festigte Jacintos Ruf als Musiker, der politische Themen auf poetische Weise ansprach.

    Hermano, Kakuy – Eine musikalische Legende

    Jacintos Texte beschäftigen sich auch mit Ideen des kollektiven Bewusstseins aus dem Norden Argentiniens. Ein Beispiel dafür ist Hermano, Kakuy, das die Legende des Kakuys thematisiert und seine Fähigkeit unterstreicht, musikalische und kulturelle Einflüsse zu vereinen. Der Song steht stellvertretend für Jacintos Interesse an der Bewahrung und Neuinterpretation traditioneller Themen und ist ein weiteres Beispiel für seine kreative Tiefe.

  • Zamba: Argentinische Tradition

    Zamba: Argentinische Tradition

    “…Me voy solo con mi suerte,
    la llevaré en mi recuerdo,
    bajo un añoso algarrobo
    cortaba el aire un pañuelo,
    bailando una vieja zamba
    yo le entregaba mis sueños….”

    Jacinto Piedra und Peteco Carabajal – Perfume de carnaval

    Die Zamba ist einer der repräsentativsten Tänze der argentinischen Folklore. Ihr Ursprung geht auf die zamacueca zurück, einen mestizischen Tanz aus dem Vizekönigreich Peru, der sich im Laufe der Zeit in verschiedenen südamerikanischen Ländern weiterentwickelte. In Argentinien verwandelte er sich in die Zamba, in Chile entstand daraus die cueca und in Peru die marinera. Diese drei Tänze teilen die Nutzung des Tuches (Pañuelo) und das symbolische Ritual des Werbens zwischen den Tänzern, obwohl jeder von ihnen einen eigenen, charakteristischen Ausdruck entwickelte.

    Choreografie und Ausdruck in der Zamba

    Die Zamba wird paarweise getanzt, jedoch ohne direkten körperlichen Kontakt, wobei das Pañuelo als zentrales Kommunikationselement dient. Die musikalische Struktur spiegelt sich in der Choreografie wider, die jedoch viel Raum für Improvisation lässt. Durch Bewegungen, die Interaktion mit dem Tanzpartner und Körpersprache können die Tänzer eine Vielzahl an Emotionen ausdrücken.

    Die Figuren wie die vuelta entera (volle Drehung) und vor allem die arrestos (Begegnungen in der Mitte) zeigen große regionale und historische Unterschiede. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Fülle der Versionen wider, die in der Fachliteratur zu finden sind. Im Verein Argentinische Folklore e.V. nähern wir uns der Zamba aus einer didaktischen Perspektive, die hauptsächlich auf den Arbeiten von Durante und Belloso (1965) sowie Berruti (2007) basiert. Sobald wir diese Strukturen gemeistert haben, beginnen wir, Variationen zu erkunden.

    Bewegungen des Pañuelo

    Das Pañuelo ist in der Zamba von zentraler Bedeutung, da es die Erzählung des Tanzes und die Beziehung zwischen den Tänzern verstärkt. Laut Berruti gehören die folgenden Bewegungen des Pañuelo zu den wichtigsten:

    • Erhöht (En alto): Es wird über dem Kopf gehalten und sanft geschwenkt, was Freude und Begeisterung vermittelt.
    • Mittlere Höhe (A media altura): Auf Schulterhöhe, mit ruhigeren Bewegungen, die Introspektion oder Schüchternheit widerspiegeln.
    • Kreuzweise vor der Brust (Cruzado frente al pecho): Seitliche Bewegungen vor der Brust, die Geheimnis oder Zurückhaltung symbolisieren.
    • Wellenbewegungen (Ondulaciones): Sanfte, wellenartige Bewegungen, die im Einklang mit dem Rhythmus der Musik die Ausdruckskraft verstärken.
    Durante, B. und Belloso, W. (1965) Método para la enseñanza de las danzas folklóricas argentinas, su coreografía y su música
    Berruti, P. (2007) Manual de danzas argentinas
    Regionale Variationen der Zamba

    Obwohl die Grundstruktur der Zamba erhalten bleibt, gibt es regionale Unterschiede in der Ausführung. Anhand der Geschwindigkeit lassen sich zwei Arten identifizieren:

    • Zamba Carpera: Mit einem schnelleren Rhythmus und einem festlichen, lebendigen Charakter, häufig bei Volksfesten zu finden.
    • Zamba Lenta: Langsame, ausdrucksstarke Bewegungen, die die Eleganz und Dramatik des Tanzes betonen.

    Die Schönheit der Zamba liegt in ihrer Fähigkeit, eine breite Palette von Emotionen zu vermitteln und in der symbolischen Interaktion zwischen den Tanzenden. Die Technik und die Körpersprache der Zamba zu beherrschen, ist entscheidend, um diese kulturelle Ausdrucksform zu bewahren und zu feiern.

  • Zamba por vos

    Zamba por vos

    Zamba por vos wurde vom uruguayischen Musiker Alfredo Zitarrosa geschrieben. Das Lied erschien erstmals 1966 auf dem Album Canta Zitarrosa und ist eine klassische Zamba mit der typischen Struktur AABAAB in 36 Takten. Jede dieser Phrasen bildet eine sogenannte „Periode“, die aus einem Vordersatz und zwei Nachsätzen besteht:

    Vordersatz: Yo no canto por vos, te canta la zamba
    Nachsatz 1: Y dice al cantar: no te puedo olvidar, no te puedo olvidar
    Nachsatz 2: Y dice al cantar: no te puedo olvidar, no te puedo olvidar

    Der argentinische Musiklehrer Arnoldo Pintos nahm diese Zamba 1987 in den ersten Band seines Gitarrenlehrbuches Método de guitarra (1987) auf:

    Viele bekannte Künstlerinnen und Künstler haben Zamba por vos neu interpretiert, darunter Mercedes Sosa, Jorge Drexler, Los Chalchaleros, Jorge Cafrune und Soledad. In der Version von Raly Barrionuevo hören wir außerdem die talentierte Elvira Ceballos am Klavier.

    Ein Lied voller Sehnsucht und Trost

    Zamba por vos drückt die Sehnsucht nach einer geliebten Person aus und reflektiert die melancholische Traurigkeit, die mit der Distanz einhergeht. 

    Yo no canto por vos;
    te canta la zamba.
    Y dice al cantar:
    no te puedo olvidar;
    no te puedo olvidar.

    Yo no canto por vos;
    te canta la zamba.
    Y cantando así
    canta para mí,
    canta para mí.

    Zambita cantá:
    no la esperes más.
    Tenés que pensar que si no volvió,
    es porque ya te olvidó.
    Perfumá esa flor,
    que se marchitó,
    que se marchitó.

    Yo tuve un amor,
    lo dejé esperando.
    Y, cuando volví,
    no lo conocí,
    no lo conocí.

    Dijo que tal vez,
    me estuviera amando.
    Me miró y se fue:
    sin decir por qué;
    sin decir por qué.

    Zambita cantá:
    no la esperes más.
    Tenés que pensar que si no volvió,
    es porque ya te olvidó.
    Perfumá esa flor,
    que se marchitó,
    que se marchitó.

     

    Ich singe nicht für dich
    Es singt die Zamba
    Und indem sie so singt sagt sie
    Ich kann dich nicht vergessen
    Ich kann dich nicht vergessen

    Ich singe nicht für dich
    Es singt die Zamba
    Und indem sie so singt
    Singt sie für mich
    Singt sie für mich

    Zambita, sing
    Wartet nicht mehr auf sie
    Du musst denken,
    dass, wenn sie nicht zurückkam
    ist es, weil sie dich schon vergessen hat
    Parfümiere die Blume,
    die verwelkt ist
    die verwelkt ist

    Ich hatte eine Liebe
    Ich ließ sie warten
    Und als ich zurückkam
    erkannte ich sie nicht wieder
    erkannte ich sie nicht wieder

    Sie sagte, vielleicht
    hat sie mich geliebt
    Sie sah mich an und ging
    Ohne zu sagen, warum
    Ohne zu sagen, warum

    Zambita, sing
    Wartet nicht mehr auf sie
    Du musst denken,
    dass, wenn sie nicht zurückkam
    ist es, weil sie dich schon vergessen hat
    Parfümiere die Blume,
    die verwelkt ist
    die verwelkt ist

  • Mate (richtig!) zubereiten

    Mate (richtig!) zubereiten

    Du hast Mate probiert, dir hat es geschmeckt, aber du möchtest nicht bis zur nächsten Peña warten, um wieder in den Genuss zu kommen? Verständlich! Mate gehört zur Grundausstattung eines jeden Haushalts!

    Heutzutage kann man nicht nur im Internet, sondern auch in spezialisierten Geschäften alles finden, was man benötigt, um Mate selbst zuzubereiten: Becher, Halm, die Blätter… aber wie macht man das richtig?

    Im nächsten Video findest du eine detallierte Einleitung. Traust du dich?

  • Malambo: der rhythmische Herzschlag Argentiniens

    Malambo: der rhythmische Herzschlag Argentiniens

    Der Malambo ist ein traditioneller argentinischer Tanz, der für seine dynamischen Fußbewegungen, kraftvolle Rhythmen und seine tiefen Wurzeln in der Geschichte und Kultur des Landes bekannt ist. Ursprünglich von den Gauchos der argentinischen Pampas entwickelt, hat der Malambo sich zu einem Symbol für Energie, Identität und künstlerischen Ausdruck entwickelt.

    Die Ursprünge des Malambo

    Der Malambo entstand im späten 18. Jahrhundert in den weitläufigen Pampas Argentiniens. Ursprünglich wurde er als Einzeltanz geübt, bei dem Gauchos ihre Geschicklichkeit und Ausdauer unter Beweis stellten. Während er in seiner frühen Form hauptsächlich von Männern aufgeführt wurde, haben sich heute Frauen als exzellente Malambo-Tänzerinnen etabliert und prägen die Kunstform ebenso.

    Die kulturellen Einflüsse auf den Malambo sind vielfältig. Während sich spanische Elemente wie das „Zapateo“ – das rhythmische Stampfen mit den Füßen – darin widerspiegeln, weist der Tanz auch Spuren der indigenen Traditionen Argentiniens sowie der musikalischen und tänzerischen Ausdrucksformen von Nachfahren afrikanischer Sklaven auf. Diese Mischung aus lokalen und globalen Einflüssen macht den Malambo zu einem einzigartigen Spiegel der argentinischen Geschichte und Vielfalt.

    Die vielleicht älteste Aufnahme eines Malambo stammt vom Kurzfilm Mosaico Criollo, von Eleuterio Iribarren, aus dem Jahr 1929.

    Die Musik des Malambo

    Die Musik, die den Malambo begleitet, ist so dynamisch wie der Tanz selbst. Sie wird oft von einer Kombination aus Gitarre und der traditionellen bombo legüero gespielt – einer großen Trommel, die mit ihren tiefen, erdigen Klängen den Takt vorgibt. Der Rhythmus ist schnell, präzise und wird vom Tänzer durch komplexe Fußarbeit untermalt. Anders als bei vielen anderen argentinischen Volkstänzen gibt es beim Malambo jedoch keinen Gesang, da der Fokus ganz auf der Tanzperformance liegt.

    Die Technik: Schnelligkeit und Präzision

    Die Bewegungen des Malambo sind technisch anspruchsvoll und verlangen von den Tänzern eine enorme körperliche Kontrolle. Die Fußarbeit, bekannt als „Zapateo“, ist das Herzstück des Tanzes. Dabei schlagen die Tänzer in schnellen, rhythmischen Bewegungen mit den Fußsohlen und Absätzen auf den Boden, um komplexe Rhythmen zu erzeugen. Während die Beine in ständiger Bewegung sind, bleibt der Oberkörper ruhig, was einen faszinierenden Kontrast schafft.

    Malambo heute: Von der Tradition zur Bühne

    Während der Malambo früher ein Element ländlicher Feste war, hat er heute auch internationale Bühnen erobert. Jedes Jahr treten Tänzer aus ganz Argentinien beim Festival Nacional del Malambo im Dorf Laborde an, um ihre Virtuosität in dieser Tanzkunst zu demonstrieren. Hier treten nicht nur Männer, sondern auch Frauen an, die durch ihre Schnelligkeit, Ausdauer und Kreativität den Tanz weiterentwickeln.

    Zeitgenössische Gruppen wie Che Malambo bringen den Malambo darüber hinaus auf die Weltbühnen. Diese Ensembles kombinieren traditionelle Elemente mit modernen Bühnenproduktionen und präsentieren die Kraft und Eleganz des Tanzes einem internationalen Publikum.

    Ein Tanz als kulturelles Erbe

    Der Malambo ist mehr als ein Tanz – er ist ein lebendiger Ausdruck argentinischer Kultur, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Mit seinen Wurzeln in der Geschichte der Gauchos und den Einflüssen der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen des Landes erzählt er eine Geschichte von Freiheit, Widerstand und kultureller Vielfalt.

    Seine kraftvollen Rhythmen und die beeindruckende Fußarbeit ziehen nicht nur Tanzliebhaber in ihren Bann, sondern machen den Malambo auch zu einem Symbol für die Leidenschaft und Kreativität der argentinischen Kultur. Egal, ob auf der großen Bühne oder bei einem ländlichen Fest – der Malambo bleibt ein Tanz, der begeistert und verbindet.