Author: Fede

  • Mit ArgentinierInnen Mate trinken

    Mit ArgentinierInnen Mate trinken

    Mate ist keine Limo, sondern ein in ganz Südamerika verbreitetes Aufgussgetränk aus den kleingeschnittenen trockenen Blättern des Mate-Strauchs. Es ist ein kulturelles Ritual, das Gemeinschaft und Freundschaft symbolisiert. Wenn du Argentinien besuchst oder an einer Mate-Runde teilnimmst, wirst du zunächst nicht wissen, wie du damit umgehen kannst. Zuerst aber, ein paar Begriffe:

    Wenn du unter ArgentinierInnen bist und dir ein Mate gereicht wird, hilft es, folgende Verhaltensregeln zu kennen:

    1. Keine persönlichen Mate. In Argentinien wird Mate in der Runde geteilt, und es gibt keine persönlichen Mates. Jeder und jede trinkt aus dem gleichen Mate und Bombilla, was ein Zeichen des Vertrauens und der Gemeinschaft ist.
    2. Die Rolle des „Cebador“ In jeder Mate-Runde gibt es einen „Cebador“ oder eine „Cebadora“. Diese Person ist für das Aufgießen und Weitergeben des Mates zuständig ist und entscheidet, wann das Wasser nachgefüllt wird. Sie beachtet auch, dass die Reihenfolge beim Herumreichen eingehalten wird. Es ist wichtig, diese Rolle zu respektieren und nicht ohne Erlaubnis selbst Wasser nachzufüllen.
    3. Der erste Schluck. Der erste Mate, den der Cebador zubereitet, ist oft der bitterste, da die ersten Blätter das meiste Aroma abgeben. Traditionell trinkt der Cebador diesen ersten Schluck selbst, um sicherzustellen, dass der Mate perfekt ist. Dann erst wird der Mate weitergegeben.
    4. Mate niemals umrühren. Es ist wichtig, die Bombilla im Mate nicht zu bewegen oder umzurühren, da dies den Geschmack und die Konsistenz der Yerba verändern kann. Einfach die Bombilla an den Lippen ansetzen und den Mate trinken.
    5. Trinkgeschwindigkeit. Trinke den Mate in einem moderaten Tempo. Es ist höflich, den Mate nicht zu lange zu halten, damit die anderen Menschen nicht warten müssen. Wenn du fertig bist, gib den Mate zurück an den Cebador, damit er ihn neu aufgießen kann. Achte dabei auf die nächste Regel.
    6. „Gracias“ sagen. Ein wichtiger Punkt ist, wann du „Gracias“ (Danke) sagst. In einer Mate-Runde signalisiert „Gracias“, dass du genug getrunken hast und keinen weiteren Mate mehr möchtest. Sage dies also nur, wenn du wirklich nicht mehr trinken willst, denn du wirst danach auch keinen mehr bekommen 🙂
      Bonus-Tipp: Wenn du Dankbarkeit oder Anerkennung zeigen willst, kannst du immer sagen, dass der Mate gut schmeckt.
    • Mate: der Becher
      Mate ist der Name sowohl vom Getränk als auch vom Becher selbst. Dieser kann aus verschiedenen Materialien hergestellt sein, aber die Traditionellen sind aus Kürbis oder Holz.
    • Yerba: die Blätter
      Die kleingeschnittenen trockenen Blättern des Mate-Strauchs nennt man „yerba“ oder „yerba mate“.
    • Bombilla: der Trinkhalm
      Damit wird das Getränk eingesaugt. Er ist meistens aus Metall.
    • Cebar
      Das Zubereiten vom Mate und Nachgießen von Wasser nennt sich „cebar“.
  • Chacarera del chilalo

    Chacarera del chilalo

    Wer kennt das nicht? Man lernt eine Sprache, kann sich gut verständigen… und dann kommen irgendwelche MusikerInnen um die Ecke und benutzen Wörter, die es in keinem Lehrbuch gab.

    Beim Mitsingen im Auto, in der Dusche oder auf einer Peña können wir alle etwas Hilfe gebrauchen. In diesem Beitrag findet ihr den Text der Chacarera del chilalo mit Erklärungen der weniger gängigen Vokabeln. Viele davon sind Namen von Pflanzen, aber ihr werdet auch Referenzen zu Mythen aus Südamerika.

    garabato: Strauch oder kleiner Baum mit feinen, gefiederten Blättern, dornigen Zweigen und gelben, kugelförmigen Blüten (wissenschaftlicher Name Senegalia praecox)

    lechiwana: Wespennest

    chilalo: mittelgroßer Vogel mit rostbraunem Gefieder, schlankem Körperbau und kräftigem Schnabel, bekannt für seine kunstvollen, aus Lehm gebauten Neststrukturen;  Rosttöpfer, auch Töpfervogel oder Lehmhans genannt (wissenschaftlicher Name Furnarius rufus)

    tusca: Strauch von bis zu 7 m Höhe, mit langen, paarweise angeordneten Dornen, gelb-orangefarbenen Blüten und einer Hülse mit zahlreichen Samen (wissenschaftlicher Name Vachellia aroma)

    mistol: Baum von bis zu 10 m Höhe, mit steifen, dornigen Zweigen und kleinen gelbgrünen Blüten (wissenschaftlicher Name Sarcomphalus mistol)

    tuna: Pflanze von bis zu 5 m Höhe, mit flachen, ovalen, fleischigen Stängeln, die normalerweise Dornen tragen, großen gelben oder roten Blüten und traubenförmigen Früchten; die Früchte und die abgeflachten Stängel sind essbar und finden in der traditionellen Medizin Verwendung. (wissenschaftlicher Name Opuntia ficus-indica)

    piquillín: Strauch von bis zu 3 m Höhe, mit steifen, in einer dornigen Spitze endenden Zweigen, seitlichen, blattartigen Dornen, laubabwerfenden Blättern und gelben Blüten (wissenschaftlicher Name Condalia microphylla)

    doca: Pflanze von bis zu 3 m Höhe, sehr stark verzweigt, mit pfeilförmigen Blättern, wohlriechenden grünlichen Blüten und eiförmigen Früchten; Stängel, Früchte und Wurzeln werden in der Volksmedizin verwendet (wissenschaftlicher Name Carpobrotus aequilterus)

    cardón: Kletternder Kaktus mit dornenbesetzten Stängeln, weißen Blüten und ovalen, süßen Früchten; in einigen Arten essbar und medizinisch wirksam (wissenschaftlicher Name Cereus spp.)

    ulúa: Pflanze mit dickem, vierkantigem Stängel, weißen Dornen, die an verschiedenen Stellen gruppiert sind, weißen Blüten und essbaren Früchten, die außen rot und innen weiß sind, mit schwarzen Samen (wissenschaftlicher Name Harrisia spp.)

    vizcacheral: Gelände auf dem Viscachabaue häufig vorkommen. Viscacha ist eine Nagetierart aus der Familie der Chinchillas.

    pampa taqellu: kleiner, stacheliger Strauch, der eine Höhe von 10 bis 50 cm erreicht, mit gefiederten Blättern und ovalen bis zylindrischen Blüten. Die Früchte sind lineare, fast gerade Hülsen von 5 bis 8 cm Länge (wissenschaftlicher Name Prosopis campestris).

    kiskaloro: Strauchiger Kaktus, etwa 60 cm hoch und 2,5 m breit, mit flachen, elliptischen, dunkelgrünen Segmenten von 5 bis 40 cm Länge und 3,5 bis 7 cm Breite. Die gelb-orangen Blüten messen 4 cm (wissenschaftlicher Name Opuntia anacantha).

    tusca: Strauch bis zu 7 m hoch, mit langen, paarweise angeordneten Dornen, gelb-orangefarbenen Blüten und einer Hülsenfrucht mit zahlreichen Samen (Acacia aroma)

    sisa qellu: vom Quichua sisa (Blume) und qellu (gelb), einjährige Pflanze mit gelben, sonnenblumenartigen Blüten. Sie wächst schnell in gestörten Gebieten und hemmt durch ihre allelopathischen Stoffe das Wachstum anderer Pflanzen (wissenschaftlicher Name Verbesina encelioides).

    sachayoq: mythische Figur, die als Schutzgeist der Wälder und Bäume gilt. Wer ihn respektiert, wird belohnt, während Respektlosigkeit negative Folgen hat. Er wird in verschiedenen Gestalten beschrieben, etwa als alter Mann mit pflanzlicher Tarnung, Mischwesen oder riesiges Tier, und soll Waldarbeiter durch Geräusche in die Irre führen.

    salamanca: legendärer Orte in der lateinamerikanischen Folklore, an dem Hexen und Dämonen ihre Rituale abhalten. Nach argentinischer Überlieferung handelt es sich um Höhlen, die durch ein geheimes Ritual zugänglich sind. Dort können Menschen einen Pakt mit dem Teufel schließen, um die Meisterschaft in einer bestimmten Kunst zu erlangen.

    loconte: Kletterpflanze aus den gemäßigten Regionen Südamerikas. Sie wird bis zu 5 m hoch, trägt duftende weiße Blüten mit einem Mandelaroma und blüht im Sommer, wird häufig als Heilpflanze benutzt (wissenschaftlicher Name Clematis campestris)

    malambo: Tanz aus der argentinischen Folklore, geprägt durch rhythmische, improvisierte Fußbewegungen, die in Sequenzen kombiniert werden. Diese werden durch charakteristische Klänge strukturiert, die den Übergang zwischen den Abfolgen markieren.

    criollos: ursprünglich, Nachfahren von spanischen (oder anderen europäischen) Eltern, die in Argentinien geboren wurden, Heute wird der Begriff jedoch weiter gefasst und umfasst alle in Lateinamerika geborenen Menschen, die die landestypischen kulturellen Merkmale und Traditionen verkörpern.

    El monte qué lindo está,
    cómo hay miel de palo
    Bajo los garabatos,
    lechiguana y chilalos

    Aromas de tusca en flor
    perfuman la huella
    Y el mistol coloreando
    está de adorno en la tierra

    Las tunas y el piquillín
    ya están madurando
    Y por sobre los cercos
    están las docas colgando

    Ofreciendo está el cardón
    su flor blanca y pura
    Mientras que la ulúa
    ya se abre de madura

    Por entre el vizcacheral
    y pampa taqellus
    Florecen kiskaloros,
    tuscas y sisa qellus

    El sachayoq se hace oír
    cuidando los montes
    Despiertan salamancas
    en medio los locontes

    Se entreveran los tum tum
    de bombos legüeros
    De hachas, de malambos
    y de criollos morteros

    El monte qué lindo está,
    cómo hay miel de palo
    Bajo los garabatos,
    lechiguana y chilalos

  • Arunguita: ein Schatz der argentinischen Folklore

    Arunguita: ein Schatz der argentinischen Folklore

    Die argentinische Folklore ist reich an Tänzen und Musikstilen, die tiefe kulturelle Wurzeln haben. Einer dieser fast vergessenen Stile ist Arunguita, ein Tanz und Musikstil, der im 19. Jahrhundert in der Provinz Santiago del Estero entstand. Obwohl Arunguita lange im Schatten anderer bekannterer Tänze stand, erfährt es heute ein wachsendes Interesse.

    Die Ursprünge von Arunguita

    Die wenigen existierenden Dokumentationen zu Arunguita stammen von bedeutenden argentinischen Musikethnologen wie Isabel AretzCarlos Vega und Andrés Chazarreta. Diese Forscher sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Tanz und die Musik dieses Stils erhalten blieben. Besonders Chazarreta registrierte eine Version von J. Ledesma, die heute die verbreitetste Form von Arunguita darstellt. Ohne Ledesmas Beitrag wäre der Stil vielleicht verloren gegangen.

    Die tänzerischen und musikalischen Merkmale

    Arunguita wird in der sogenannten „zweiten Position“ getanzt – anstatt sich direkt gegenüberzustehen, nehmen die Tänzer leicht versetzte Positionen ein und bewegen sich innerhalb eines imaginären Vierecks. Ein weiteres charakteristisches Element ist der Einsatz eines Taschentuchs, das während des Tanzes in eleganten Bewegungen geführt wird.

    Die Rückkehr von Arunguita in die argentinische Folklore

    Obwohl Arunguita über viele Jahrzehnte wenig Beachtung fand, erlebt es in den letzten Jahren wieder ein wachsendes Interesse. Besonders die Version von J. Ledesma, die Andrés Chazarreta überliefert hat, wird heute wieder vermehrt aufgeführt. Auch wenn es Aufnahmen von Chazarretas Musikorchestra gibt, stammt die berühmteste Version davon von den Hermanos Ábalos, die damit den Stil einem breiteren Publikum bekannt machten. Allerdings wird die Arunguita heutzutage oft mit einem Text auf Spanisch aufgeführt, anstelle der ursprünglichen Version in Quichua und Spanisch, auch Overito genannt, wie sie in den frühen Fassungen gesungen wurde. Dieser Sprachwechsel ist für einige Tänzer und Musiker ein Verlust des kulturellen Erbes, da er einen Teil der ursprünglichen Identität des Tanzes verändert.

    Weniger bekannte Versionen

    Neben der bekannten Version von Chazarreta gibt es auch weitere, kaum bekannte Arunguitas oder „Arungas“. Sie zeigen, dass Arunguita kein einmaliges Phänomen ist, sondern ein produktiver Stil mit verschiedenen Melodien und Texten. Eine davon wurde von Carlos Vega dokumentiert und in einer Kompilation des Instituto Nacional de Musicología Carlos Vega inkludiert. Ihr könnt sie unter diesem Link  hören.

    Andere Versionen des Instituts sind ebenfalls online verfügbar, auch wenn nicht auf Spotify, wie etwa diese, von Pastor Chaves aus Añatuya oder diese, von José Montenegro.

    Arunguita heute und der Erhalt seiner Traditionen

    Während viele Aufführungen heutzutage die spanische Version von Arunguita nutzen, wächst das Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist, die ursprünglichen Wurzeln des Stils zu bewahren. Das Wiederaufleben traditioneller Tänze wie Arunguita zeigt, dass das kulturelle Erbe von Santiago del Estero eine bedeutende Rolle in der argentinischen Folklore spielt und weiterhin Einfluss auf das Folklore-Repertoire hat.

    Handout zum Herunterladen

    Wenn du mehr über den Tanz und den Text von Arunguita erfahren möchtest, kannst du dir unseren Handout herunterladen. Fülle einfach das Formular unten aus, und du erhältst den Download-Link direkt per E-Mail.

  • Was ist eine Peña?

    Was ist eine Peña?

    In Argentinien gibt es eine reiche kulturelle Tradition, die sich durch Musik, Tanz und gemeinschaftliche Zusammenkünfte auszeichnet. Eine der wohl schönsten Ausdrucksformen dieser Kultur ist die sogenannte „Peña“. Aber was genau ist das, und warum sind diese Veranstaltungen so beliebt?

    Eine Peña ist im Grunde genommen ein geselliges Treffen, das typischerweise von traditioneller argentinischer Volksmusik begleitet wird. Diese Zusammenkünfte haben ihren Ursprung im Norden des Landes und sind eng mit der ländlichen Kultur verbunden, die stark von Folklore und Traditionen geprägt ist. Heute findet man sie sowohl in ländlichen Gebieten als auch in den großen Städten.

    „Peñas“ werden oft in Veranstaltungsräumen oder in den Hinterhöfen von Häusern abgehalten, die jemand gerne zur Verfügung stellt. Begleitet wird die Feier von typischen argentinischen Gerichten wie Empanadas, Asado oder Locro.

    Das Herzstück jeder Peña ist die Musik, wobei die regionalen Unterschiede deutlich zum Vorschein kommen: Während in Cuyo häufig eine Cueca zu hören ist, darf in der Mesopotamia der Chamamé nicht fehlen, und im Norden sind es der Gato oder die Chacarera. Die Musik ist fast immer live und lädt zum Tanzen ein. Eine Besonderheit ist die offene Bühne: Gitarren und andere Instrumente werden oft verteilt oder von den Teilnehmern selbst mitgebracht, sodass jeder, der möchte, spontan mitspielen und singen kann.

    Neben den Darbietungen von Musik- oder Tanzgruppen gibt es in einer Peña also viele Möglichkeiten zur aktiven Teilnahme, sei es durch Musizieren oder Tanzen, was das Ereignis zu einem lebendigen, gemeinschaftlichen Erlebnis macht. Diese Interaktivität unterscheidet eine Peña von einem klassischen Konzert und trägt zur besonderen Atmosphäre bei, in der sich alle willkommen fühlen.

    In den letzten Jahren werden immer mehr solidarische Peñas organisiert: Das Ziel ist dabei, Geld für einen guten Zweck zu sammeln, wie etwa die Sanierung einer Schule, die Finanzierung einer Operation für ein Kind oder die Unterstützung einer Tanzgruppe, die zu einem Wettbewerb fahren möchte. Wer möchte, kann auch mit Sachspenden beitragen, zum Beispiel durch Produkte, die als Preise bei Verlosungen verwendet werden, oder hausgemachte Kuchen, deren Erlös dem jeweiligen Zweck zugutekommt.

    Unser Verein versteht die Peña nicht nur als Möglichkeit, argentinische Folklore in Deutschland erlebbar zu machen, sondern vor allem als einen Ort der Begegnung. Dabei sind wir dankbar für die große Gemeinschaft von Argentinierinnen und Argentiniern in der Region Bonn-Köln sowie für die vielen Mitglieder unseres Vereins, die sich mit viel Engagement, Offenheit und einem großen Herzen einbringen. Gemeinsam tragen sie dazu bei, dass Musik, Tanz und Traditionen geteilt und weitergegeben werden können – und dass Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander in Kontakt kommen. So möchten wir durch die argentinische Folklore den kulturellen Austausch fördern, Integration ermöglichen und Berührungsängste und Vorurteile abbauen. Denn eine Peña lebt nicht nur von ihrer Musik und ihrem Tanz, sondern vor allem von den Menschen, die zusammenkommen und sie gemeinsam gestalten.