Kakuy

Im März und April 2026 war ich auf einer Feldreise in Santiago del Estero. Im Rahmen meiner Promotion im Bereich Linguistik habe ich dort Sprachaufnahmen mit Sprecherinnen und Sprechern der regionalen Quechua-Varietät, dem Quichua Santiagueño, gemacht. Um das Sprachphänomen zu untersuchen, dem ich meine Dissertation widme, habe ich die Legende des Kakuy verwendet, um die es in der Chacarera „Hermano, Kakuy“ von Jacinto Piedra und Peteco Carabajal geht. Am Ende des Interviews mit Humberto Peralta aus Juanillo (Atamishki, Santiago del Estero) begann er spontan, die Geschichte zu erzählen. Hier findet ihr ein Video mit Untertiteln auf Deutsch, Quichua und Spanisch.

Falls ihr mitsingen möchtet, findet ihr am Ende des Beitrags das Lied mit Text und ebenfalls mit einer deutschsprachigen Übersetzung.

Hermano, kakuy

Cuenta la gente
allá en el pago
lo sucedido
entre dos hermanos.

Cuando él volvía
de la jornada
agua y comida
jamás encontraba

Cansado un día
de soportarla,
la llevó al monte
para castigarla

Con triste grito
busca a su hermano
Kakuy se llama
y vive penando

Sobre de un árbol
Ella esperaba
Mientras el mozo
De allí se alejaba

A sus reclamos
Los llevó el viento
Y en su garganta
Quejumbre y lamento

De esta leyenda
No hay que olvidarse
Que los hermanos
No dejen de amarse

Man erzählt,
dort in der Heimat,
was zwischen
zwei Geschwistern geschah.

Als er zurückkehrte
von seiner Arbeit,
fand er nie
Wasser und Essen.

Eines Tages, müde
von ihrem Verhalten,
nahm er sie mit in den Wald
um sie zu bestrafen.

Mit traurigem Ruf
sucht sie ihren Bruder,
Kakuy ist sein Name,
und lebt in Kummer.

Auf einem Baum
wartete sie,
während der Junge
sich von dort entfernte.

Ihre Rufe
trugen der Wind,
und in ihrer Kehle,
Seufzen und Kummer.

Diese Legende
soll man nicht vergessen:
dass Geschwister
einander lieben sollen.

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